Der rasante Aufschwung der autonomen Fahrzeuge revolutioniert den städtischen Personenverkehr. Angesichts der raschen Expansion von Waymo in den Vereinigten Staaten und des bevorstehenden Starts in London im Jahr 2026 stellt sich dringend eine Frage: Sind Uber- und VTC-Fahrer zum Aussterben verurteilt?
Die Robotaxis erobern die amerikanischen Städte
In den Vereinigten Staaten sind Robotaxis längst keine Science-Fiction mehr. Waymo, eine Tochtergesellschaft von Alphabet (Google), absolviert inzwischen 250.000 bezahlte Fahrten pro Woche in fünf großen amerikanischen Städten mit einer Flotte von 1.500 autonomen Fahrzeugen. Der US-Markt für Robotaxis, der 2024 auf 554,9 Millionen US-Dollar geschätzt wurde, dürfte bis 2030 explodieren und 12,7 Milliarden US-Dollar erreichen, was einem jährlichen Wachstum von 74% entspricht.
Auch andere Technologiekonzerne steigen in das Rennen ein. Zoox, eine Tochtergesellschaft von Amazon, hat seinen Dienst im September 2025 in Las Vegas gestartet, während Tesla einen begrenzten Robotaxi-Dienst in Austin eingeführt hat. Uber selbst investiert massiv in autonome Mobilität: 300 Millionen US-Dollar in den Hersteller Lucid, um innerhalb von sechs Jahren 20.000 autonome Fahrzeuge einzusetzen.
Waymo kommt nach London: eine europäische Premiere

Die Ankündigung, die alles verändert: Waymo kommt im Frühjahr 2026 nach London. Diese Expansion markiert die erste Einführung von Robotaxis in Europa, mit Elektrofahrzeugen vom Typ Jaguar I-Pace, die mit der Technologie Waymo Driver ausgestattet sind. Der Dienst wird über die App genau wie bei Uber verfügbar sein und wettbewerbsfähige Tarife ohne Fahrer an Bord bieten.
Dieser europäische Durchbruch ebnet den Weg für weitere Märkte. Uber baut seine Partnerschaften aus: mit Wayve in London, mit Momenta in mehreren europäischen Städten und mit Baidu in Asien. Die autonome Revolution wird weltweit.
Uber-Fahrer unmittelbar bedroht

Die Aussagen der Fahrer sprechen eine eindeutige Sprache. In den Uber-Foren wächst die Panik: “Ich befürchte, dass unsere Einnahmen im Laufe der Monate und Jahre deutlich sinken werden“, ist dort zu lesen. In San Francisco, der Wiege von Waymo, sind die Fahrten der Plattform innerhalb weniger Monate von 50.000 auf 100.000 pro Woche gestiegen und schmälern so unmittelbar die Aufträge menschlicher Fahrer.
Die Zahlen sind aussagekräftig. Waymo hält in San Francisco bereits 4% des Marktes mit 8.000 täglichen Fahrten, verglichen mit 200.000 bei Uber. Und dieser Anteil wächst stetig. 60% der VTC-Fahrer fühlen sich durch das Aufkommen autonomer Fahrzeuge bedroht. Ihre Sorge ist berechtigt: In den Vereinigten Staaten sind 4,5 Millionen Arbeitsplätze im Zusammenhang mit dem Fahren potenziell gefährdet.
Überwältigende wirtschaftliche Vorteile
Die wirtschaftliche Überlegenheit der Robotaxis ist unbestreitbar. Ohne Fahrergehalt sinken die Betriebskosten drastisch. Die Preise könnten bis zu 40 % niedriger liegen als bei herkömmlichen VTC, wobei die Bruttomargen für die Betreiber 40–50 % erreichen könnten.
In Wuhan in China kostet eine 10-Kilometer-Fahrt mit einem Baidu-Robotaxi zwischen 0,60 und 2,30 Dollar, verglichen mit 2,50 bis 4,20 Dollar für ein herkömmliches Taxi. Robotaxis können bis zu 20 Fahrten pro Tag absolvieren und übertreffen damit deutlich den Durchschnitt von 13 Fahrten menschlicher Fahrer. Sie arbeiten rund um die Uhr und kennen weder Ermüdung noch Pausen oder Urlaub.
Ein schrittweiser, aber unausweichlicher Übergang
Trotz dieser Bedrohungen ist das Ende noch nicht in Sicht. Dara Khosrowshahi, CEO von Uber, geht davon aus, dass autonome Fahrzeuge und menschliche Fahrer mindestens zehn Jahre lang nebeneinander bestehen werden. Robotaxis stoßen weiterhin auf Schwierigkeiten: beschädigte Straßen, widrige Witterung, nicht kartierte Gebiete. Viele Fahrgäste bevorzugen aus Sicherheitsgründen zudem die Anwesenheit eines Menschen.
Die Prognosen deuten darauf hin, dass die Automatisierung in den 2030er-Jahren bei 35 % bis 45 % des Marktes an eine Obergrenze stoßen wird. Langfristig rechnen Studien jedoch mit einer Stellenverlustrate von etwa 6 % pro Jahr bei den Fahrern, sobald die Technologie ausgereift ist. In den Vereinigten Staaten könnten bis 2035 250 000 Robotaxis im Einsatz sein.
Der französische VTC-Sektor bleibt vielversprechend … vorerst
In Frankreich verzeichnet der VTC-Sektor noch immer ein anhaltendes Wachstum. Der Umsatz stieg von 800 Millionen Euro im Jahr 2016 auf 3,9 Milliarden Euro im Jahr 2022, und im Jahr 2023 waren etwa 100 000 Fahrer aktiv. Die Aussichten für 2025 bleiben positiv, mit einem auf mehrere Milliarden Euro geschätzten Markt und Chancen zur Spezialisierung (Luxussegment, Flughäfen).
Doch dieses Wachstum könnte der Schwanengesang sein. Uber baut bereits Partnerschaften aus, um die Fahrer schrittweise zu ersetzen: Zusammenarbeit mit Waymo für Uber-Eats-Lieferungen in Phoenix seit April 2024, Vereinbarungen mit Cruise für autonome Fahrzeuge ab 2025. Der Plan von Uber ist klar: sich der Fahrer entledigen, um die Gewinne zu maximieren.
Fazit: Eine Revolution nimmt Fahrt auf
Ja, das Ende der Uber-Fahrer naht, doch es wird schrittweise erfolgen. In den nächsten 5 bis 10 Jahren werden Robotaxis in den Großstädten zunehmend Marktanteile gewinnen. Die Einnahmen der VTC-Fahrer werden unaufhaltsam sinken. Bis 2035–2040 könnten 50 bis 60 % der Fahrten automatisiert sein.
Für die heutigen Fahrer ist die Botschaft dringend: sich auf eine berufliche Umorientierung vorbereiten. Der VTC-Sektor ist heute noch attraktiv, doch der Horizont verdüstert sich. Die Ankunft von Waymo in London im Jahr 2026 wird in Europa einen entscheidenden Wendepunkt markieren. Die autonome Revolution hat gerade erst begonnen und wird die Welt des urbanen Verkehrs tiefgreifend verändern. Die Uber-Fahrer stehen an vorderster Front.