Autonome Fahrzeuge Robotaxis

Wann wird das autonome Fahren in Frankreich verfügbar sein?

Sommaire

Das autonome Fahren ist nicht mehr nur ein futuristischer Traum. Zwischen den Ankündigungen der amerikanischen Giganten wie Waymo, Tesla, Amazon und den europäischen Fortschritten in der Regulierung stellt sich nicht mehr die Frage, ob diese Fahrzeuge Frankreich erreichen werden, sondern wann. Wir entschlüsseln die Zeitpläne, die wichtigsten Akteure und die Autonomiestufen, die unsere Mobilität bald neu definieren werden.

Die amerikanischen Robotaxis erobern Europa: Erster Schritt Richtung Frankreich

Das Jahr 2025 markiert einen historischen Wendepunkt für die autonome Mobilität in Europa. Waymo, eine Tochter von Google, hat im Oktober 2025 offiziell den Start seiner Robotaxis in London für 2026 bekanntgegeben. Diese erste europäische Station ebnet den Weg für eine schrittweise Ausweitung auf weitere Hauptstädte, wobei Paris ausdrücklich als künftiges Ziel genannt wird.​

Waymo ist in diesem Wettlauf nicht allein. Amazon hat über seine Tochter Zoox einen Dienst mit vollständig autonomen Robotaxis in Las Vegas und San Francisco gestartet. Diese elektrischen Fahrzeuge ohne Lenkrad und Pedale können vier Passagiere aufnehmen und etwa 16 Stunden mit einer Ladung fahren. Der E-Commerce-Riese strebt eine Produktion von 10.000 Robotaxis pro Jahr an.​

Auf Seiten der Mitfahrplattformen bereiten Uber und Lyft ebenfalls ihre europäische Offensive vor. In Partnerschaft mit dem chinesischen Unternehmen Baidu plant Lyft, ab 2026 Robotaxis vom Typ Apollo Go in Deutschland und im Vereinigten Königreich einzusetzen.​

Die Schweiz, europäischer Vorreiter mit Baidu

Die Schweiz etabliert sich als strategisches Eingangstor für Robotaxis in Europa. Der chinesische Riese Baidu, weltweit die Nummer 2 im autonomen Fahren hinter Waymo, hat im Oktober 2025 angekündigt, ab Dezember 2025 Testfahrten mit seinen Robotaxis Apollo Go auf Schweizer Gebiet durchzuführen.​

Diese beispiellose Partnerschaft zwischen Baidu und CarPostal, einer Tochter der Schweizerischen Post, wird den Dienst AmiGo hervorbringen. Die ersten Tests beginnen mit einer Pilotflotte, die von Sicherheitsfahrern begleitet wird, in drei Kantonen im Osten des Landes: St. Gallen, Appenzell Ausserrhoden und Appenzell Innerrhoden. Der reguläre Betrieb ist spätestens im ersten Quartal 2027 vorgesehen.​

Die eingesetzten Fahrzeuge werden RT6 sein, elektrische Robotaxis der Stufe 4, die speziell von Baidu entwickelt wurden und bis zu vier Passagiere aufnehmen können. Ihre Besonderheit? Ein abnehmbares Lenkrad, das entfernt werden kann, sobald der Dienst in den vollautonomen Modus wechselt. In dieser Anfangsphase sollen bis zu 25 Fahrzeuge eingesetzt werden.​

Baidu hat die Schweiz aus mehreren strategischen Gründen gewählt: die politische Stabilität des Landes, die außergewöhnliche Qualität seiner Straßeninfrastruktur und vor allem die Positionierung Zürichs als europäisches Zentrum für künstliche Intelligenz. Der chinesische Konzern hat im Juli 2025 in Zürich zudem einen europäischen Hub für autonome Mobilität eröffnet und profitiert dabei von der Nähe zur ETH Zürich und zur Universität Zürich, um die besten Talente anzuziehen.​

Diese Präsenz in der Schweiz könnte schnell auch Frankreich zugutekommen, denn Baidu betreibt bereits mehr als 800 Fahrzeuge in 16 chinesischen Städten und hat im zweiten Quartal 2025 über 2,2 Millionen Fahrten absolviert. Seine umfangreiche operative Erfahrung ist ein wesentlicher Vorteil für die Eroberung Europas.​

Tesla und das Full Self-Driving: Eine unmittelbar bevorstehende, aber reglementierte Einführung

Tesla verstärkt seine Bemühungen, die Zulassung seines Systems Full Self-Driving (FSD) in Europa zu erhalten. Nach den neuesten Informationen könnte das FSD bis September 2025 dank der im Oktober 2025 diskutierten Änderungen der UNECE-Regelung R171 genehmigt werden.​

Der amerikanische Hersteller hat sein Cybercab, einen futuristischen Robotaxi ohne Lenkrad und Pedale, übrigens auf der Messe VivaTech in Paris im Juni 2025 vorgestellt. Dieses zweisitzige Fahrzeug, das für weniger als 30.000 Dollar angeboten werden soll, könnte zwischen 2026 und 2027 in Produktion gehen.​

Dennoch bleibt Frankreich wachsam. Im Juni 2025 hat die DGCCRF (Generaldirektion für Wettbewerb, Verbraucherschutz und Betrugsbekämpfung) Tesla aufgefordert, irreführende Geschäftspraktiken bezüglich der “Fähigkeit zum vollständig autonomen Fahren” einzustellen. Das derzeit in Frankreich für 7.500 € verkaufte System bietet kein vollständig autonomes Fahren, sondern eine fortschrittliche Assistenz der Stufe 2.​

Die Autonomiestufen: Die Klassifizierung verstehen

Um die Herausforderungen zu erfassen, muss man die sechs Autonomiestufen verstehen, die von der SAE (Society of Automotive Engineers) definiert wurden:​

Stufe 0 : Keine Automatisierung – der Fahrer kontrolliert alles

Stufe 1 : Fahrerassistenz (adaptiver Tempomat)

Stufe 2 : Teilautomatisierung – das Fahrzeug übernimmt gleichzeitig Lenkung und Geschwindigkeit, der Fahrer muss jedoch aufmerksam bleiben

Stufe 3 : Bedingte Automatisierung – der Fahrer darf unter bestimmten Bedingungen den Blick abwenden, muss aber in der Lage sein, die Kontrolle zu übernehmen

Stufe 4 : Hochautomatisierung – das Fahrzeug kann in bestimmten Gebieten ohne Fahrer fahren

Stufe 5 : Vollautomatisierung – keinerlei menschliches Eingreifen erforderlich, unter allen Umständen

Derzeit erlaubt Frankreich das autonome Fahren der Stufe 3 seit dem 1. September 2022. Die Bedingungen sind jedoch restriktiv: Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h, nur auf Straßen mit einem Mittelstreifen, Fußgänger und Radfahrer sind verboten.​

Auch die Schweiz hat diesen Schritt vollzogen, indem sie das automatisierte Fahren der Stufe 3 seit dem 1. März 2025 erlaubt. Drei Anwendungsfälle sind nun zugelassen: der automatische Autopilot auf der Autobahn, der Einsatz fahrerloser Fahrzeuge auf von den Behörden freigegebenen Streckenabschnitten sowie das automatisierte Parken ohne Fahrer.​

Welche Hersteller bieten bereits autonomes Fahren an?

Mercedes-Benz bleibt mit seinem System Drive Pilot der Stufe 3 der europäische Pionier; es ist in Deutschland für den EQS und die S-Klasse zugelassen. Der Hersteller hat die Höchstgeschwindigkeit seines Systems Anfang 2025 sogar auf 95 km/h angehoben, sodass Fahrer die automatisierte Fahrt auf dem gesamten 13.191 km langen deutschen Autobahnnetz länger genießen können.

BMW ist mit seinem Personal Pilot L3 gefolgt, erhältlich für die 7er-Reihe in Deutschland für 6.000 €. Das System erlaubt es dem Fahrer, bei Staus auf der Autobahn bis 60 km/h die Hände vollständig vom Lenkrad zu nehmen. Beide Hersteller haben in der Schweiz jedoch noch keinen Antrag auf Typgenehmigung eingereicht, obwohl der Markt inzwischen offen ist.​

Bei den Stufen 4 und 5 liegen die europäischen Hersteller gegenüber den amerikanischen und chinesischen Giganten zurück. Stellantis hat sich jedoch mit dem chinesischen Unternehmen Pony.ai zusammengetan, um autonome Fahrzeuge der Stufe 4 in Europa zu entwickeln und zu testen, wobei der Peugeot E-Traveller als Testplattform dient.​

Der französische und europäische Rechtsrahmen

Frankreich hat mit Artikel 31 des Gesetzes über die Mobilitätsausrichtung (LOM) vom 24. Dezember 2019 einen ehrgeizigen gesetzlichen Rahmen geschaffen. Mehrere zwischen 2021 und 2022 veröffentlichte Dekrete und Verordnungen haben die Bedingungen für die Nutzung und die Haftung autonomer Fahrzeuge präzisiert.​

Die französische nationale Strategie zur Entwicklung automatisierter und vernetzter Straßenmobilität wurde im April 2025 für den Zeitraum 2025–2027 überarbeitet. Dieser Fahrplan sieht insbesondere die Entwicklung von Pilotprojekten und die Vorbereitung der Infrastruktur vor.​

Auf europäischer Ebene hat die im März 2025 verabschiedete UNECE-Regelung R171 des UN-Wirtschaftskommission für Europa automatisch eingeleitete Manöver auf Autobahnen für Fahrzeuge der Stufe 3 zugelassen, mit Inkrafttreten am 26. September 2025. Konkret können Autos künftig ohne menschliche Bestätigung automatisch die Spur wechseln oder überholen.​

Die Europäische Union arbeitet außerdem an einem einheitlichen Rahmen, der laut den Vereinten Nationen bis Mitte 2026 festgelegt werden könnte. Die Europäische Kommission hat eine Initiative „Ambitionierte Städte für autonomes Fahren“ gestartet, die Ende 2026 beginnen soll.​

Voraussichtlicher Zeitplan für Frankreich

Auf Grundlage offizieller Ankündigungen und laufender Projekte ist hier ein realistischer Zeitplan für die Einführung autonomer Autos in Frankreich:

2025–2026 : Zulassung fortschrittlicher Systeme der Stufe 3 (Tesla FSD, europäische Systeme) und Beginn der Robotaxi-Tests in Pilotgebieten. Die Schweiz wird mit den Robotaxis von Baidu ab Dezember 2025 als Praxislabor dienen.​

2026–2028 : Erste Versuche mit Robotaxis der Stufe 4 in abgegrenzten Zonen (Flughäfen, Campus, bestimmte Stadtviertel). Waymo wird seine Tätigkeit 2026 in London aufnehmen und damit den Weg nach Paris ebnen.​

2027–2030 : Schrittweise Einführung teilautonomer Fahrzeuge (Stufen 2 und 3) auf dem Massenmarkt und Ausbau der Robotaxi-Dienste in Großstädten. Der Dienst AmiGo von Baidu wird in der Schweiz Anfang 2027 voll einsatzbereit sein.​

2030–2035 : Mögliche Verbreitung von Robotaxis im städtischen Umfeld und Erscheinen der ersten Fahrzeuge der Stufe 5​

Französische Akteure wie Navya und EasyMile testen bereits seit 2019 autonome Shuttles in kontrollierten Umgebungen in Paris-Saclay und Lyon. Diese Versuche helfen, den Boden für eine breitere Verbreitung zu bereiten.​

Die Herausforderungen, die es zu meistern gilt

Trotz dieser vielversprechenden Fortschritte bremsen mehrere Hürden noch die breite Einführung autonomer Fahrzeuge in Frankreich:

Sicherheit und Zuverlässigkeit : Die Systeme müssen beweisen, dass sie mindestens genauso sicher, wenn nicht sogar sicherer sind als ein menschlicher Fahrer. Waymo behauptet, dass seine Fahrzeuge an fünfmal weniger Unfällen mit Verletzten beteiligt sind als menschliche Fahrer. Baidu sammelt mit seinen 14 Millionen absolvierten Fahrten ebenfalls wertvolle Erfahrungen.​

Infrastruktur : Die französischen Straßen sind noch nicht vollständig darauf vorbereitet. Vernetzte Verkehrsschilder, kommunikationsfähige Ampeln und eigens dafür vorgesehene Abhol- und Absetzzonen werden erforderlich sein. Die Schweiz mit ihrer vorbildlichen Straßeninfrastruktur bietet günstigere Voraussetzungen.​

Kosten : Autonome Fahrzeuge sind nach wie vor äußerst teuer. Ein schrittweiser Preisrückgang wird für ihre Verbreitung unerlässlich sein.​

Akzeptanz in der Öffentlichkeit : Das Vertrauen der Nutzer muss durch Transparenz und Aufklärung gewonnen werden. Berufsgruppen im Transportwesen, insbesondere Taxi- und VTC-Fahrer, sorgen sich nachvollziehbarerweise um die Auswirkungen auf ihren Beruf.​

Fazit: Eine Revolution nimmt Fahrt auf

Das autonome Fahren wird in Frankreich schrittweise und unter staatlicher Aufsicht Einzug halten. Während die ersten Robotaxi-Versuche bereits ab 2026 erwartet werden, ist eine flächendeckende Verbreitung vermutlich erst ab 2030 zu erwarten. Europäische Hersteller wie Mercedes und BMW verfügen bereits über zugelassene Systeme der Stufe 3, während die amerikanischen Giganten Waymo, Tesla und Amazon ihre europäische Offensive aktiv vorbereiten.

Die Schweiz übernimmt eine Vorreiterrolle mit dem Start der Baidu-Robotaxis im Dezember 2025 und bietet damit ein wertvolles europäisches Labor, um diese Technologien vor ihrem Einsatz in anderen Ländern wie Frankreich zu testen. Zürich etabliert sich als europäisches Zentrum für künstliche Intelligenz und autonome Mobilität und zieht die weltweit führenden Akteure der Branche an.​

Frankreich mit seinem fortschrittlichen Regelwerk und seinen Pilotprojekten positioniert sich als Schlüsselakteur dieses Wandels. Die kommenden Jahre werden entscheidend sein, damit eine neue Ära urbaner Mobilität entsteht, die sicherer, zugänglicher und umweltfreundlicher ist.​

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